Florian Wahl fordert bessere Unterstützung durch das Land für den Ganztagsausbau im Landkreis Böblingen

Mit dem Schuljahr 2026/2027 beginnt der stufenweise Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter. Aus Sicht des SPD-Landtagsabgeordneten Florian Wahl bestehen im Landkreis Böblingen jedoch weiterhin Herausforderungen beim Ausbau der dafür nötigen Angebote. Die Antworten des Kultusministeriums auf seine Kleine Anfrage zeigen, dass die bisherigen Anstrengungen auf Landesebene noch nicht ausreichen, um die Kommunen bestmöglich zu unterstützen.

Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Haupt- und Werkrealschulen: Die Zahl der Ganztagsangebote ging im Landkreis von 16 Ganztagsschulen im Schuljahr 2015/2016 auf vier im Schuljahr 2024/2025 zurück, was einen Rückgang von 75 Prozent darstellt. Wahl betont: „Diese Entwicklung führt zu ungleichen Chancen. Die Schulart darf nicht darüber entscheiden, ob ein Kind Zugang zum Ganztag erhält.“

Auch bei anderen Schularten zeigt sich aus Sicht Wahls, dass das Land stärkere Impulse setzen muss. Die Zahl der öffentlichen Grundschulen mit Ganztagsangebot blieb über zehn Jahre hinweg unverändert bei neun, obwohl gerade die Grundschulen für die Umsetzung des Rechtsanspruchs im Grundschulalter zentral sind. Die Gemeinschaftsschulen verzeichneten im gleichen Zeitraum lediglich einen Zuwachs von 13 auf 14 Ganztagsangebote. Wahl erklärt: „Die Zahlen verdeutlichen, dass der Ausbau nicht im erforderlichen Umfang vorangekommen ist. Grün-Schwarz hat den Ausbau jahrelang verschlafen.“

Seit dem Schuljahr 2015/2016 gab es im Landkreis Böblingen 13 Neueinrichtungen und elf Aufhebungen von Ganztagsschulen. Der daraus resultierende geringe Nettozuwachs zeigt nach Wahls Einschätzung, dass die Landesregierung den bestehenden Bedarf trotz jahrelanger Vorlaufzeit bislang nicht ausreichend adressiert hat.

Auch im Investitionsprogramm Ganztagsausbau sieht Wahl weiteren Handlungsbedarf. Zwar wurden beim Regierungspräsidium Stuttgart 25 Förderanträge aus dem Landkreis eingereicht und 18 davon bewilligt; der tatsächliche Mittelabfluss bleibt jedoch bislang deutlich hinter den Erwartungen zurück. Landesweit hat die Landesregierung Fördermittel in Höhe von 861,3 Mio. Euro bis 2029 angekündigt, im Landkreis Böblingen wurden bisher jedoch nur 15,9 Mio. Euro ausgezahlt, also rund 1,8 Prozent des Gesamtvolumens. Wahl kommentiert: „Bewilligungen allein reichen nicht aus. Ohne zeitnah fließende Mittel können die Kommunen ihre Planungen nicht verlässlich fortführen.“

Wahl hebt ausdrücklich hervor, dass die Städte und Gemeinden im Landkreis große Anstrengungen unternehmen und sich konstruktiv einbringen, um den Ganztagsausbau voranzubringen. Die ihnen zur Verfügung stehenden Rahmenbedingungen seien jedoch maßgeblich vom Land abhängig. „Die Kommunen arbeiten an Lösungen. Damit sie diesen Weg erfolgreich weitergehen können, braucht es verlässliche Unterstützung und klare Perspektiven aus Stuttgart“, so Wahl.

Er appelliert daher an die Landesregierung, die notwendigen strukturellen Voraussetzungen zügig zu stärken. Der Rechtsanspruch dürfe kein leeres Versprechen bleiben. Ziel müsse es sein, dass Kinder im Landkreis Böblingen, unabhängig von ihrer Schulart, verlässlich Zugang zu guten Ganztagsgeboten erhalten.